Das sind die drei wesentlichen Erfolgsfaktoren die Chris Bartz, CEO und Co-Founder von Elinvar, zukünftigen Gründer*innen mit auf den Weg geben möchte. Was es sonst noch zum Gründen braucht, und was den Startup-Standort Deutschland erfolgreich macht, verrät er im Interview.

[Dieses Interview erschien bei der Deutschen Digital Hub Initiative.]

 

Welchen Rat würdest du anderen Gründern geben?

Meiner Erfahrung nach sind es drei wesentliche Faktoren, die bei einer Gründung entscheidend sind: ein klares Ziel, das notwendige Maß an Beharrlichkeit und vor allem das richtige Team. Gerade in den ersten Monaten trifft man andauernd auf Leute, die einem erklären, warum man scheitern wird – ganz egal was man macht. Davon darf man sich nicht nervös machen lassen. Beharrlichkeit ist eine der wichtigsten Eigenschaften für Gründerinnen und Gründer. Gleichzeitig sollte man natürlich offen bleiben und jede Gelegenheit nutzen, dazuzulernen. Gerade zu Beginn ist es sehr wertvoll, sich mit Menschen zu umgeben, die einem offenes und konstruktives Feedback geben. Das können Experten aus dem beruflichen Umfeld oder natürlich auch Freunde sein. Aus dem gleichen Grund sind das Team und eine offene Unternehmenskultur von enormer Bedeutung für den Erfolg. Eine gute Kultur beim bestehenden Team hilft auch dabei, die richtigen Leute in Wachstumsphasen zu finden – meiner Meinung nach die größte Herausforderung für jede Unternehmung. Und auch wenn es mal schwer ist, gerade beim Recruiting sollte man keine Kompromisse eingehen. Top Teams machen sich gegenseitig immer besser und ziehen andere herausragende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an. Der Aufbau eines starken Teams dauert am Anfang vielleicht etwas länger und kostet auch mehr, ist aber auf jeden Fall nachhaltiger und erfolgreicher.

Meiner Erfahrung nach sind es drei wesentliche Faktoren, die bei einer Gründung entscheidend sind: ein klares Ziel, das notwendige Maß an Beharrlichkeit und vor allem das richtige Team.

Chris Bartz, CEO und Co-Founder von Elinvar

Was hat dich am meisten überrascht, als du gegründet hast?

Überraschung trifft es nicht richtig, aber ich empfinde es als besondere – vielleicht einmalige – Chance, die Berlin als Standort gerade hat. Berlin hat ein extrem positives internationales Image und sehr viele der besten Talente der Welt können sich vorstellen oder beschäftigen sich sogar aktiv damit nach Berlin zu kommen, um hier gemeinsam großartige Dinge umzusetzen. Dies gilt es zu nutzen. Dazu brauchen wir Offenheit und Chancenorientierung statt Verteidigung und Besitzstandswahrung im “Klein-Klein”. Vom Startup über die etablierte Industrie bis zur Politik gilt es nach vorne zu schauen, positive Visionen aufzubauen und für diese gemeinsam einzustehen.

Was wünscht du dir von der Politik/vom Standort Deutschland?

An erster Stelle wünsche ich mir Offenheit. Ein wirtschaftlich erfolgreicher Standort lebt von Vielfalt und Talenten und gerade im Tech-Bereich sind internationale Talente unabdingbar. Um zukünftig weiter zu den führenden Wirtschaftsstandorten zu gehören und für Unternehmen attraktiv zu bleiben, müssen wir talentierte Menschen darin bestätigen, dass Deutschland für sie der richtige Ort zum Leben und Arbeiten ist. Und dann müssen wir ihnen auch die Chance geben, hierher zu kommen und sich hier mit ihren Familien ein Leben aufzubauen. Während andere Länder wie die USA und Großbritannien eine immer restriktivere Einwanderungspolitik verfolgen, könnte Deutschland von einem fairen und transparenten Einwanderungsgesetz profitieren. Dazu gehört auch, dass Menschen, wenn sie hier ankommen, willkommen werden und Zugang zu beispielsweise englischsprachigen Verwaltungsprozessen und -mitarbeitern haben.

Ein wirtschaftlich erfolgreicher Standort lebt von Vielfalt und Talenten und gerade im Tech-Bereich sind internationale Talente unabdingbar.

Chris Bartz, CEO und Co-Founder von Elinvar

Zudem müssen wir selbstverständlich auch dafür sorgen, dass unsere Kinder gut für ihre berufliche Zukunft aufgestellt sind. Dabei geht es nicht nur um Technologieverständnis, sondern vor allem auch um den Mix aus Leistungsbereitschaft, Beharrlichkeit, Kreativität, Offenheit und Internationalität – zusammenfassend um die Förderung von Vielfalt und Talent. Auch auf regulatorischer Ebene muss sich noch einiges tun. Gesetze sollten beispielsweise technologieneutral formuliert werden – wie wäre es mit der kompletten Abschaffung der Schriftformerfordernis in allen Gesetzen – und der einheitliche europäische Markt auch bei nationaler Gesetzgebung immer mitgedacht und gefördert werden.

Warum hat Deutschland kein führendes Startup-Ökösystem?

Wer sagt, dass wir dies nicht haben? Das erinnert mich an die Titelseiten vom Spiegel “Ist das noch mein Land?” und The Economist “Cool Germany” jeweils am 14. April 2018. In Berlin ist eines der führenden Startup-Ökosysteme der Welt entstanden. Auch im Rest von Deutschland gibt es herausragende Beispiele für Innovationsstärke und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Die Frage ist, wie entwickeln wir neben den berühmten “Hidden Champions”, die Deutschland die letzten Jahrzehnte geprägt und erfolgreich gemacht haben, auch im digitalen Kontext Unternehmen, die sich unter den führenden der Welt platzieren. Hier ist SAP noch zu alleine.