Schlanke Prozesse und ein hervorragendes Nutzer*innenerlebnis sind entscheidende Faktoren für langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Digitalisierte Prozesse werden hier zum Gamechanger: sie ermöglichen das effektive Erheben & Auswerten von Daten und damit den Aufbau organisatorischen Wissens. Sebastian Böttner, CTO & Co-Founder von Elinvar erläutert, inwiefern Event Sourcing in diesem Zusammenhang nicht nur die Bereitstellung maßgeschneiderter Produkte ermöglicht, sondern auch große Vorteile für den Umgang mit Finanzdaten und, insbesondere Transaktionsdaten bietet.

[Dieser Artikel erschien zuerst als Gastbeitrag im IT-Finanzmagazin.]

Gerade in der Vermögensverwaltung sind zurzeit viele Akteure auf der Suche nach der für sie idealen Strategie, ihre Prozesse zu digitalisieren. In der Entscheidung für die richtige Technologie oder den richten Partner, sollte deshalb auch der Ansatz zur Datenerhebung- und Analyse eine relevante Rolle spielen. Event Sourcing ist ein solcher Ansatz, der, richtig implementiert, für Vermögensverwalter und Banken viele Vorteile mit sich bringt.

Mittels Event Sourcing wird es möglich, regulatorische Anforderungen mit modernen Datenanalysen zu kombinieren. Vermögensverwalter und Banken profitieren insbesondere von den umfassenden Einblicken in das Verhalten der Kunden, die durch Event Sourcing ermöglicht werden. Hierdurch wird es möglich, die beste Strategie für einen Anleger zu bestimmen und verifizieren.

Sebastian Böttner, CTO & Co-Founder

Eine jahrhundertealte Buchhaltungsmethode für das digitale Zeitalter

Das Prinzip hinter Event Sourcing ist simpel: Jede Transaktion, jede Interaktion, jede Veränderung in einem Datensatz wird als Event unveränderlich in einem Event Store aufgezeichnet. Alte Werte bleiben demnach erhalten und werden nur um neue ergänzt. Durch eine Wiederholung der Events können Änderungen zu jedem Zeitpunkt transparent nachvollzogen werden.

Der Ansatz, der in vielen Funktionalitäten der Blockchain-Technologie ähnelt, geht in seinem Ursprung auf eine jahrhundertealte Buchhaltungsmethode zurück. Bedingt durch sinkende Kosten der Datenspeicherung und neue Datenspeicherungsmöglichkeiten wie der Cloud, hat er in den letzten Jahren allerdings immer stärker an Attraktivität gewonnen und wird inzwischen von IT-Spezialisten für die digitale Verarbeitung sensibler Daten in unterschiedlichen Branchen eingesetzt.

    • Automatischer Audit-Log: Beim Event Sourcing wird jeder einzelne Eintrag (Event) unveränderlich gespeichert; dies entspricht exakt der Definition eines Audit Logs. Dadurch, dass die Events immer zur Erstellung des aktuellen Zustands des Systems (Aggregat) genutzt werden, kann man darüber hinaus sogar die Korrektheit des Logs nachweisen.
    • Time Travelling: Der Zustand (z.B. Vermögensübersicht) wird beim Event Sourcing aus allen einzelnen Events berechnet. Dazu wird immer mit dem ersten Event der Historie begonnen. Da alle Events gespeichert werden, spielt es keine Rolle, bis zu welchem Zeitpunkt man den Prozess fortführt. Somit kann der Zustand zu jedem beliebigen Zeitpunkt berechnet werden.
    • Delta über beliebigen Zeitraum bestimmbar: Dadurch, dass man zu jedem beliebigen Zeitpunkt navigieren kann, ist es auch möglich ein Delta zwischen zwei Zeitpunkten zu bestimmen. Hierdurch kann man z.B. die Rendite in jedem beliebigen Zeitraum ausweisen.
    • Testen über die gesamte Historie: Beim Event Sourcing wird der Zustand des Systems aus allen Events bestimmt. Sofern der Zustand für eine neue Version des Systems identisch zur vorhergehenden Version ist, kann davon ausgegangen werden, dass diese Version korrekt funktioniert.

Event Sourcing ist auch in anderen Bereichen, wie zum Beispiel Behavioral Data, spannend, da man hierdurch Informationen generieren kann, die ohne diesen Ansatz nicht verfügbar wären.

Sebastian Böttner, CTO & Co-Founder

Bei höchster Datensicherheit können Daten demnach ideal ausgewertet werden. So lässt sich das Nutzer*innenverhalten analysieren und künftige Wünsche an das Produkt können frühzeitig antizipiert und erfüllt werden. Das hierdurch generierte Wissen sichert organisatorischen Vorsprung und ist eine gute Grundlage für eine langfristige Kund*innenbindung. Denn Kund*innen erwarten, dass ihr Dienstleister die Informationen, die sie mit ihm teilen, nutzt, um seine individuellen Lösungen für sie laufend zu optimieren.

Dennoch bringt der Ansatz auch Herausforderungen mit sich, die bei der Implementierung bedacht werden müssen:

  • Event Sourcing vs. Command Sourcing: Bei der Implementierung kann es leicht zu einer Verwechslung von Event Sourcing mit Command Sourcing kommen. In diesem Fall werden anschließend nicht Events, sondern Befehle (Commands) gespeichert. Bei diesem Ansatz gehen mehrere Vorteile von Event Sourcing verloren.
  • Performance: Die Verarbeitung aller Events bei jedem Start führt auf Dauer zu immer längeren Startzeiten. Mittels Snapshots kann die Performance zwar verbessert werden, allerdings steigern diese wiederum die Komplexität des Systems.
  • Anpassung des Datensets: Es kommt immer wieder vor, dass Daten im Nachhinein angepasst werden müssen. Dies ist beim Event Sourcing prinzipbedingt nicht möglich. Stattdessen müssen neue Events, meist mit einem anderen Typ, angelegt werden. Die Änderung ist somit um ein Vielfaches komplexer ist, als eine einfache Aktualisierung in der Datenbank.

Fazit: Ein mächtiger Ansatz, der am besten mit einem erfahrenen Partner umgesetzt wird

Eine moderne digitale Plattform wie Elinvar ermöglicht die Nutzung der enormen Vorteile des Event Sourcing für Finanzdienstleistungen. Die Herausforderungen allerdings, die mit dem Umfang und der Unwiderrufbarkeit der Aufzeichnungen einhergehen, fordern eine individuelle Abwägung und Implementierung des Ansatzes im Kontext der eigenen Digitalisierung. Um sich weiterhin auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren zu können, sollten sich Vermögensverwalter und Banken daher einen kompetenten technologischen Partner suchen, der die notwendige Expertise mitbringt und Event Sourcing als grundsätzlichen Ansatz bei der Digitalisierung der Prozesse einsetzt.