^Boris Breuer

Dr. Carolin Gabor gilt als eine der einflussreichsten Frauen in der deutschen Fintech-Welt. Als Managing Partner von finleap gestaltet sie die Finanzwelt von Morgen mit. Wie sie das macht und welche Rolle Frauen dabei spielen, erkäutert sie uns im Interview:

Du giltst als eine der erfahrensten Managerinnen in der deutschen Finanzwelt und bist seit mehr als zwei Jahren Managing Partner bei finleap. Wie hat sich die Branche seit Deinem Einstieg bei finleap verändert?

Ich bin schon lange in der Branche – nach meiner klassischen Bankausbildung habe ich über zehn Jahre lang als Strategieberaterin für den Finanzdienstleistungsbereich bei der Boston Consulting Group gearbeitet. In dieser Zeit haben sich erstmalig Fintech-Unternehmen entwickelt und es gab die ersten Berührungspunkte mit neuen, digitalen Finanz-Startups.

Und in den letzten zwei Jahren, seitdem ich bei finleap bin, hat sich die Branche weiterentwickelt. Wir sehen mittlerweile, dass eher wenige B2C-Fintechs stark skalieren werden. Gleichzeitig hat sich die anfängliche “Disruption”, eher zur “Kooperation” entwickelt: Partnerschaften zwischen Fintechs und Banken haben sich durchgesetzt.

Wir sehen eine Zukunft, in der Kunden für ihre Finanzverwaltung sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben ein ganzheitliches, kontextuelles Management erwarten. Im Kontext bedeutet hierbei etwa die Lebenssituation, die Spezifika einer Branche, der regionale Kontext oder auch der eines Geschäftsvorfalls.

Dr. Carolin Gabor, Managing Partner bei finleap

Im nächsten Schritt geht es um eine noch tiefere Integration und Verbindung der alten Welt mit der neuen Welt. Wir sehen eine Zukunft, in der Kunden für ihre Finanzverwaltung sowohl im Privat- als auch im Geschäftsleben ein ganzheitliches, kontextuelles Management erwarten. Im Kontext bedeutet hierbei etwa die Lebenssituation, die Spezifika einer Branche, der regionale Kontext oder auch der eines Geschäftsvorfalls. In der neuen Welt erhalte ich als Kunde (Privat- oder Unternehmenskunde) eine für mich passende Empfehlung zu einem Finanzprodukt in der Situation, in der ich es brauche: dafür brauche ich ein Frontend mit cooler UX, all meine relevanten Daten an einem Platz und Finanzprodukte von Partnern einer vollständig digitalen Wertschöpfungskette. All das stellen die unterschiedlichen Portfoliounternehmen von finleap ihren Kunden und Partnern zur Verfügung. Die neuartigen Plattform-Systeme ermöglichen es ihnen, Paket- und Komplettlösungen mit Fintechs, Finanzprodukten und Mehrwertservices wie in einem Baukasten bedarfsgerecht zu einem digitalen Finanzunternehmen zusammenzustellen.

Was ist bei diesem Wandel auf der Strecke geblieben?

Ich finde es bedenklich, dass alle großen relevanten Banken ihre Digitalstrategie auf ein Minimum reduziert oder so häufig verändert haben, dass sie nun niemand mehr ernst nimmt. Ich empfinde das als kein gutes Zeichen für den Finanzstandort Deutschland. Außerdem stellt sich die große Frage, aus welchen Quellen die nächsten Mega-Finanzierungsrunden für die Fintechs in Series C kommen werden? USA, China, große Private Equity Funds…wahrscheinlich keine Strategen aus Europa.

Über Deine Position als Managing Partner bei finleap hinaus, bist Du Gründerin der Organisation fintexx – women in finance. Was waren Deine Beweggründe dazu und was willst Du mit deiner Plattform erreichen?

Mit fintexx women bringe ich Frauen aus der Finanz- und Fintechszene durch regelmässige Events zusammen, um den Aufbau von beruflichen Geschäftsbeziehungen unter Frauen zu stärken. Neben dem Engagement, Frauen in Führungspositionen zu vernetzen und zu stärken, richtet sich das Netzwerk zudem auch an den Nachwuchs. Im April 2018 haben wir den ersten Texx Factor Female Hackathon unter meiner Schirmherrschaft veranstaltet, der ein richtiges Highlight war!

Der Gender Gap im Finanz-Bereich ist leider, trotzdem wir uns im Jahr 2018 bewegen, traurige Realität. Der Ursprung dieses Problems ist tief verwurzelt. Denn die von einer Buddykultur geprägte Branche, in der Männer meist ihresgleichen fördern und befördern, schließt von vorneherein aus, dass weibliche Talente Top-Management-Positionen erreichen können. So werden die spannenden Positionen meist von Mann zu Mann weitergegeben.

Leider sind Frauen in den Führungsebenen immer noch stark unterrepräsentiert. Deswegen braucht es für diejenigen in der Branche Möglichkeiten sich zu vernetzen und starke Beziehungen zwischen Frauen auf beruflicher Ebene aufzubauen. Durch die fintexx women werden wir zumindest sichtbarer, auch durch mediale Aufmerksamkeit.

Was kannst Du anderen Frauen raten? Was würdest Du ihnen mitgeben, um die Branche mit mehr Visibilität mitzugestalten?

Meine Erfahrung ist, dass Frauen oft sehr perfektionistisch und selbstkritisch mit sich sind, ganz im Gegensatz zu vielen Männern. Dabei sind die Frauen in der Branche top ausgebildet und natürlich mehr als qualifiziert.

Mein Ratschlag ist: Traut Euch auf Panels zu sprechen, geht zu Veranstaltungen und vernetzt Euch! Das muss nicht immer im großen passieren. Neulich habe ich eine Mail von einer Frau bekommen, wie gut ihr mein Vortrag gefallen hat. Darüber habe ich mich sehr gefreut und man ist gleich im Gespräch und kann bestimmt mal zu einem anderen Zeitpunkt auf den Kontakt zurückgreifen.